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Christine-Maria Höller

Presse

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"Bohémiens" aus Böhmen

Das Neujahrskonzert der Kulturvereinigung - Das Prager Radio-Sinfonieorchester im Großen Festspielhaus

Von Karl Winkler

Mit böhmischen Weisen eröffnete die Salzburger Kulturvereinigung das neue Jahr. Authentische Interpreten dieser Musik waren das Prager Radio-Sinfonieorchester und sein Leiter Vladimir Válek. Würde man statt "böhmisch" den Begriff "bohémien" verwenden – in seiner Doppelbedeutung hieße das auch "zigeunerisch" – , so passte er gleich auf das ganze Konzert.

Als Hauptstück erklang – nach der Pause – Dvořáks Symphonie "Aus der Neuen Welt", die in Amerika entstand und doch so sehr slawisch geprägt ist in ihrer Heimwehstimmung. Das Prager Orchester erwies sich als ein präzise reagierendes, bestens vorbereitetes Ensemble, das Válek oft mit nur kleinen Gesten oder angedeutetem Taktschlagen führen konnte. Das Finale "con fuoco" ließ an die Zeiten der mächtigen Atlantikdampfer denken, die der Stolz der Technik waren. Wenn Dvořák sein Schiff Richtung Heimat ablegen lässt, möchte man gerne glauben, es müsse wirklich unsinkbar sein. Wie vielseitig sich die Musiker ausdrücken können, zeigten sie gleich am Anfang der Symphonie, als Dvorák die Naturphänomene umzukehren scheint: ins verklingende Donnergrollen der Pauken fährt plötzlich der grelle Blitz der Geigen, die Hörner krachen drein und klingen aus in romantischer Weichheit. Doch auch zartere Klangfarben beherrschen die Streicher selbstverständlich, wenn sie im Largo die sehnsuchtsvolle Melodie des Englischhorns umspielen. Bis in kleinste Details wurden die Schattierungen ausgearbeitet, noch in der sanftesten Stimmung ließ die rhythmische Genauigkeit nicht nach.

Smetanas beliebtestes Werk, "Die Moldau", hatte den Anfang des Konzerts gemacht. Schon hier erwiesen sich Vladimir Válek und sein Orchester als Fortsetzer einer Tradition, wie sie Karel Ančerl und die Tschechische Philharmonie geprägt haben. Das klingt wie Musik, in der man eben daheim ist, aber zugleich beherrscht im Ausdruck, klassisch in der Ausgewogenheit und Durchhörbarkeit der Stimmen, äußerst akkurat bis in die einzelnen Phrasierungen.

Auf solche Vorzüge konnte sich die Solistin des Abends verlassen und sich ganz ihrem Spiel hingeben. Die junge Christine-Maria Höller (1978 in Bischofshofen geboren) erwies sich als hoch konzentrierte Geigerin, die ihr Handwerk perfekt beherrscht und auf dieser Basis eine durchdachte und schön ausgeformte Interpretation des Ersten Violinkonzerts von Max Bruch bot. Das Konzert verdankt seine Beliebtheit wohl vor allem dem langsamen Mittelsatz, den Christine-Maria Höller gefühlvoll spielte, ohne sentimental zu werden. Im virtuosen Finale schien die Bezeichnung "Allegro energico" weniger als "rasch" denn als "heiter" aufgefasst, mit dem gebührenden Spaß am Gelingen, von der rhythmischen Leichtigkeit bis hin zu den klar artikulierten Oktaven und Dezimen. Das Orchester war ein aufmerksamer Partner, beim Zusammenspiel zurückhaltend in der Lautstärke und immer zuverlässig im Tempo. Hier passte manchmal wirklich der Vergleich mit einem klingenden Teppich – ein feinst gewobener, mit abgerundeten Mustern, aber bis in die kleinste Verästelung präzise gearbeitet.

Eine Art Zugabenreigen stand danach auf dem Programm: die Carmen-Fantasie von Waxman, der vorwiegend als Filmkomponist bekannt geworden ist. Ein dankbares Stück für die Solistin, das die bekannten Opernmelodien virtuos aufbereitet und das Publikum heiter in die Pause entließ. Da durfte das Orchester am Ende des Konzerts nicht nachstehen und dankte für den herzlichen Applaus mit zwei Slawischen Tänzen.



Quelle: Drehpunkt Kultur

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