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Christine-Maria Höller

Presse

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Grandioses Orchesterfresko

Christine-Maria Höller (Violine) als Solistin im Großen Festspielhaus - Orchesterglück pur mit Schostakowitsch

Von Horst Reischenböck

Kein bloßes „Talent“ mehr, sondern ein in der Tat weiterer neuer, aufsteigender Stern Salzburger Provenienz am internationalen Geigenhimmel, hervorgegangen aus der „Schmiede“ Helmut Zehetmairs an der Universität Mozarteum: Die gebürtige Bischofshofnerin Christine Maria Höller präsentierte sich zweimal im Großen Festspielhaus.

Ein nicht zu gering schätzendes Debüt, mit zwei großen, unterschiedlichen, zeitlich ausgedehnten – übrigens, interessanterweise, nahezu parallel entstanden – „Brocken“ der Literatur. Vergangenen Freitag (21.4.) im Kulturvereinigungszyklus „Die große Symphonie“ stand Johannes Brahms Opus 77 D-Dur zu Gehör, am Dienstag (25.4.) für die „Welt der Musik“ Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Opus 35 derselben Tonart. Beide zudem gleich live mitgeschnitten und – der erste Eindruck vom 21.4. bestätigte – zu Recht einer Aufzeichnung würdig!

„Gegen die Violine“ komponiert: So wurde das Opus 77 trotz des Einsatzes von Widmungsträger Joseph Joachim in Leipzig vorerst bezeichnet (dessen von der Ernst-Grein-Straße in Salzburg aus an den Wörthersee gesandten Verbesserungsvorschläge hat sich Brahms übrigens nicht bedient). Und von Pablo de Sarate stammt der Ausspruch: „Ich will gar nicht bestreiten, dass das an sich ganz gute Musik ist; aber halten sie mich für so geschmacklos, dass ich mich auf das Podium stelle, um mit der Geige in der Hand zuzuhören, wie im Adagio die Oboe dem Publikum die einzige Melodie des ganzen Stücks vorspielt?“ Übrigens von Isabella Unterer aus Reihen des satt abgestuft mitgestaltenden Mozarteum Orchesters wunderschön geblasen.

Christine Maria Höller setzte jedenfalls gleich vom ersten Einsatz an auf akzentuiert energische Bogenführung und wusste sich ergo den gut 20 Minuten dauernden Kopfsatz hindurch bis in die nachdenklich ausformuliere Kadenz hinein das Geschehen kraftvoll mitgestaltend als Gegenpol zu behaupten. Nach den tonschön subtil ausgehörten Lyrismen des Binnensatzes stürzte sie sich genauso vehement ins Finale: Der Erfolg war einhellig, und der begeisterte Beifall ruhte nicht eher, bis noch im Alleingang Fritz Kreislers Recitativo und Scherzo-Caprice op. 6 nachgereicht wurde.

Der 100. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch wird im Herbst von der Kulturvereinigung noch ausgiebiger durch sein erstes Cellokonzert und die Sinfonien Nr. 6, 9 und 11, gefeiert werden – diesmal war’s die wohlbekannte Fünfte. Ein grandioses Orchesterfresko in der Nachfolge (und eindeutig hörbar auch durch ihn beeinflusst) Gustav tMahlers, das einem entsprechend disponierten Klangkörper jede Menge Futter bietet, um alle Register bis hin zum strahlenden Blech im Hintergrund in sich ausgewogen zu präsentieren. Eine Chance, die sich unsere Musiker samt und sonders nicht entgehen ließen – ich denke da beispielsweise an Konzertmeister Markus Tomasi im (nicht so bezeichneten Scherzo) oder Solohornist Wilhelm Schwaiger. Das berührend melancholische Largo, einer der schönsten Schostakowitsch-Sätze überhaupt, war jedenfalls ein Traum!

Dem absoluten Glück mangelte eigentlich nur ein Dirigent, der neben allem Wohlklang auch noch die sarkastisch versteckte Brechung, die in das d-Moll-Opus 47 einkomponierte Abrechnung mit dem Sowjet-Regime entsprechend plastisch herausgearbeitet hätte. So lief unter dem präzise taktierenden Gast Othmar Mága zwar alles absolut exakt, aber letztendlich leider doch gerade diese eine wichtige Dimension ausklammernd, ab: Etwas mehr „Biss“, und es wäre auch vom gedanklichen Inhalt her eine perfekte Deutung gewesen!

Quelle: Drehpunkt Kultur

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