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Christine-Maria Höller

Presse

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Acht Jahreszeiten

Bei den Bad Dürrnberger Konzerten: Die Junge Philharmonie Salzburg mit Vivaldi und Piazzolla 

Von Karl Winkler 

Die Bad Dürrnberger Konzerte ganz im Trend: mit den "Acht Jahreszeiten" hatten sie am 29.Juli eine derzeit sehr beliebte Kombination im Programm, nämlich die Vier Jahreszeiten jeweils von Vivaldi und von Piazzolla. Ausführende waren Christine Maria Höller (Violine) und das Kammerorchester der Jungen Philharmonie Salzburg, geleitet von Elisabeth Fuchs. Die Dirigentin teilte sich mit einer Mitspielerin auch den Vortrag einer deutschen Übersetzung der Texte, die Vivaldi seinen Concerti voran gestellt hat.

Trotz der kleinen Besetzung (zwölf Streicher) ergab sich durch die Kirchenakustik ein beinah "sinfonischer" Klang. Gut vorbereitet und ausgefeilt taten die barocken Klangmalereien auch so ihre Wirkung. Christine Maria Höller ist mit allen Wassern der Virtuosen gewaschen, tatkräftig wurde sie von einzelnen Solisten des Ensembles unterstützt. Besondere Erwähnung verdient der erste Cellist, der sowohl ein sorgfältiger "Bordunsänger" war als auch ein temperamentvoll-einfühlsamer Mit- und Gegenspieler der Solistin. Oft sind ja nur diese Beiden beschäftigt, und die Dirigentin brauchte da nur ruhig am Pult verharren, um den Kontakt zwischen ihnen nicht zu behindern. 

Wenn sie aber eingreift, dann tut das seine Wirkung. Da achtet sie darauf, dass die Viola auch ordentlich "bellt", da brausen Celli und Kontrabass heftig auf, da wird im kalten Winter kräftig aufgestampft und mit den Zähnen geklappert, und Christine Maria Höller schwebt dazu mit einem federleichten Tänzchen übers Eis.

Zweiter Teil des abendlichen Vergnügens waren die "Cuatro Estaciones porteñas" von Astor Piazzolla, die vier Jahreszeiten in Buenos Aires, vorgestellt vom "Erfinder" des Tango nuevo. Was ist nun in Argentinien anders als in Italien? Vorwiegend einige Spieltechniken und das südamerikanische Kolorit. Die Musik wirkt dunkler, was allerdings im Vergleich mit Vivaldi wohl kaum anders sein könnte. Im 20.Jahrhundert darf es auch sonst ein bißchen anders klingen als früher: da gibt es Glissandi der Solistin und des ganzen Orchesters, und das Schlagen des Instruments mit dem Bogen oder das rhythmische Knallen einer Saite aufs Griffbrett mag ein Ersatz dafür sein, dass kein Bandoneon mitspielt, das man so schön übers Knie brechen kann, wenn die Zeit des sehnsüchtigen Gesangs vorbei ist (mit besonders schönen Momenten für den Solocellisten), wenn plötzlich der scharfe Tangoschritt mit seinen heftigen Richtungswechsen übers Parkett fegt.

Christine Maria Höller hat dem dunkleren Habitus der Musik auch äußerlich Rechnung getragen und ihre rote Vivaldi-Robe gegen ein dunkel glitzerndes Kleid ausgetauscht. Das passte perfekt zur dunklen Fülle des Tons, die sie jetzt auskosten konnte, wenn nicht gerade Erinnerungen ans barocke Italien auftauchten, wie im Ausklang mit dem Vivaldischen Wintermärchen.

Der lebhafte Beifall in der übervollen Kirche wurde ausführlich belohnt mit einem großen Teil von Sarasates Carmen-Fantasie. Die Morbidezza des Tango machte sich auch in dieser französisch-spanischen Koproduktion außerordentlich gut. Die Arbeit war nun freilich ungleich verteilt; während das Orchester fröhlich lächelnd die Begleitung tupfte, rauschte die Solistin hoch konzentriert durch die von Sarasate ungeheuerlich aufgetürmten Höchstschwierigkeiten. Beindruckend!

Quelle: Drehpunkt Kultur

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